Was hilft bei Demenz?
Es sind Menschen wie Frau Arndt, Frau Braun oder Herr Christensen.
Sie alle leiden an einer Demenz.
Ich erlebe diese Menschen.
Und frage mich oft: Was hilft bei Demenz?

In vielen Jahren habe ich ein paar Sachen gelernt.
Fehler gemacht.
Bin Umwege gegangen.
Diesen Beitrag schreibe ich zuerst als eine Art Anleitung für mich.
Um Dinge nochmal festzuhalten.
Um immer wieder einen Punkt heraus zu nehmen.
Und umzusetzen.

Du kannst gerne mitlesen.
Es kann eine Art Abkürzung für dich sein.

Die Frage lautet also:
Was hilft bei Demenz?

Meine Antwort:
Diese 52 Punkte!

Mir hilft es dabei, nicht alles auf einmal umzusetzen.
Greife dir eine Sache heraus.
Und sage:
Ich achte mal auf Nummero #3, #18 oder #51.

Diesen Text mit den 52 Punkten kannst du in wenigen Minuten überfliegen. Du kannst ihn auch in einer Viertelstunde gründlich gelesen. Aber wichtiger als die Lesezeit ist: Die Worte sollen in dir nachklingen. Du kannst im Alltag daran denken. Und dann etwas umsetzen.

Zufällig sind es am Schluss 52 Punkte geworden.
Da ein Jahr 52 Wochen hat, kannst du es aber auch als eine Jahres-Challenge nehmen.
Nimm jede Woche einen Tipp.
Und setze ihn eine Woche lang um.
Spätestens nach einem Jahr bist du dann ein Vollprofi!

Mit diesen 52 Tipps wirst du sofort besser

Was hilft bei Demenz? P wie Pause auf diesem Liegestuhl.
P wie Pause. Alle Bilder von Uli Zeller.

Was hilft bei Demenz #1: Mache nicht zu viel

Manche hetzen von einer Aktivität zur anderen. Spaziergang in den Garten, Ausflug zur Greifvogelschau – und am Abend noch ein Konzert. Dazwischen Schwester Luise besuchen, ein Spiel spielen und im Restaurant essen. Menschen mit Demenz strengen viele Aktionen oft an. Besser ist, jeden Tag eine Aktion zu planen – und den Tag drumrum entspannt angehen zu lassen.

Was hilft bei Demenz #2: Setze nicht auf Fakten!

Menschen mit Demenz leben stark in ihren Gefühlen. Sie drücken diese direkt aus. Ihr Gehirn bremst sie dabei nicht. Sei es Ärger, Freude oder Trauer. Nimm diese Gefühle ernst. Zeige Wertschätzung. Argumentiere aber nicht mit Fakten. Sage nicht: „Es gibt keinen Grund, sich aufzuregen. Denn es ist doch nicht so schlimm, wenn du mal eine halbe Stunde alleine bist.“ Besser: „Ich sehe, du bist aufgeregt. Aber ich bin jetzt da. Willst du mit mir eine Runde spazieren gehen? Das tut gut.“

Was hilft bei Demenz #3: Korrigiere nicht

„Wo ist meine Mutter“, fragt die 92-Jährige. Es ist naheliegend zu sagen „Überlegen Sie mal. Sie sind 92. Wie alt müsste Ihre Mutter sein? Die Mutter ist schon längst tot.“ Besser als korrigieren: Reagiere erstmal nicht zu schnell. Gehe dann auf die Gefühle der Frau ein.

Was hilft bei Demenz #4: Nutze deine Mimik

Gerade wenn weniger Worte zur Verfügung stehen, sind andere Möglichkeiten wichtiger, um sich auszudrücken. Also: Ich will mir besser in die Karten schauen lassen. Pokerface ade. Besser zeige ich mit Lächeln, Stirnrunzeln oder Achselzucken meine Gefühle. Auch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gibt diesen Tipp.

Was hilft bei Demenz #5: Verwende kurze Sätze

„Wir könnten noch draußen grillen, nachdem wir geschaut haben ob wir Tante Greta telefonisch erreicht haben, und bevor wir duschen gehen.“ So ein Satz wird nicht gut verstanden: Zu lang. Darum nennt man sie Bandwurmsätze, Satzgirlanden oder Schachtelsätze. Besser: „Rufen wir doch mal bei Tante Greta an.“ Und nach dem Telefonat dann erst die nächsten Sachen sagen.

Was hilft bei Demenz #6: Höre genau hin

Früher habe ich oft so was gedacht wie: Frau Krause, die 88 Jährige, erzählt immer das Gleiche. Immer die Geschichte, wie sie nach der Flucht die ersten Hühner gekauft haben. Doch dann hab ich gemerkt: Genaues Zuhören lohnt sich. Es gibt Nuancen. Einmal legt sie den Schwerpunkt auf die Armut – ein andermal darauf, dass der Hühnerkauf der Anfang vom Aufstieg war. Wenn ich das erkenne, habe ich Glück und kann besser auf ihr Grundgefühl eingehen.

Was hilft bei Demenz #7: Dosiere Medien gut

Manche Menschen können Stille nicht gut aushalten. Aber muss den wirklich Fernseher und Radio gleichzeitig vor sich hin dudeln? Menschen mit Demenz reagieren häufig aufmerksamer, wenn nur eines der Geräte läuft. Oder vielleicht auch mal gar keines?

Was hilft bei Demenz #8: Nimms nicht persönlich

Herr Janzen beleidigt manchmal andere. „Du hast aber einen dicken Bauch“, kann er sagen. Oder neulich zu einer Frau: „Hast du eigentlich einen Mann abbekommen?“ Aber: Vielleicht muss ich das nicht als persönliche Beleidigung verstehen. Sondern als Teil seiner Demenz. Wenn die Kontrolle fehlt, will ich entspannt blieben. Und schauen, dass ich auf Abstand gehen kann – oder jemand anderen bitte, die Situation zu begleiten.

Was hilft bei Demenz #9: Wähle ein gutes Programm

Der Notarzt fährt vor, die Polizei fängt den Dieb. In manchen Fernseh-Sendungen werden Kriminalfälle und Notfälle nachgespielt. Ich habe schon erlebt, dass das Menschen mit Demenz verwirrt hat. Und sie nicht mehr einordnen konnten, ob das jetzt wirklich passiert ist. Spätestens bei Anzeichen von Unruhe kann man sich fragen: Könnte eine bessere Programmauswahl zur Beruhigung beitragen?

Was hilft bei Demenz #10: Setze Fragen richtig ein

„Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Was man Kindern im Lied der Sesamstraße beibringt, hilft bei Demenz nicht: Fragen nach Ursache und Zusammenhängen können überfordern. Viele W-Fragen strengen an. Weniger Fragen, die dein Gegenüber mit ja oder nein beantworten kann, sind leichter zu beantworten. Statt „Was willst du trinken?“ frage ich besser: „Möchtest du Kaffee oder Tee?“

Was hilft bei Demenz #11: Nimm als Person wahr

Tante Gertrud sitzt im Rollstuhl. Wenn sie im Weg steht, schiebt sie die Schwägerin schnell zur Seite. Ohne Vorankündigung. Habe ich auch schon gemacht. Leider. Und danach gemerkt: Damit habe ich die Frau wie ein Objekt behandelt und nicht wie ein Mensch. Daher achte ich jetzt darauf und erkläre: „Ich drehe Sie mal kurz zur Seite.“ Manchmal hilft es auch, die Erklärung mit Gesten zu verstärken.

Was hilft bei Demenz? Wenn man Betroffene nicht als Sache behandelt und weg schiebt wie diesen Rollstuhl.
R wie Rollstuhl.

Was hilft bei Demenz #12: Gib mal wieder die Hand

Seit Corona haben wir ihn verlernt: Den Handschlag. Menschen, die heute alt sind, sind aber noch anderes gewöhnt: Man gibt sich die Hand, wenn man sich trifft. Ich habe wieder bewusst damit angefangen, mit einem Handschlag hallo zu sagen – und staune, wie positiv Senioren mit Demenz darauf reagieren.

Was hilft bei Demenz #13: Fördere gesunden Schlaf

Medikamente helfen. Das ist keine Frage. Doch Medikamente haben Nebenwirkungen. Und Schlafmittel können den Tag-Nacht-Rhytmus völlig durcheinander bringen. Bevor man zu Medikamenten greift, kann man erst mal folgende Sachen versuchen: Ein Einschlafritual einführen, beruhigende Tees, Lüften, tagsüber viel raus gehen…

Was hilft bei Demenz #14: Berühre richtig

Oft mögen Menschen mit Demenz Berührung. Manche wollen aber auch keine Nähe. Achte auf Mimik, Gestik und Worte. Berühre dein dementes Gegenüber so viel oder so wenig, wie es ihm gut tut.

Was hilft bei Demenz #15: Akzeptiere eigene Regeln

Bei Menschen mit Demenz schaffe ich unnötigen Druck, wenn ich von ihnen das erwarte, was für mich normal ist. Ihr Leben läuft nach eigenen Regeln. Da muss es auch mal erlaubt sein, dass Herr Krämer am Tisch schläft. Oder dass Frau Krause nicht am Tisch isst. Sondern lieber von verschiedenen Tellern mit „Finger Food“ nascht, die herum stehen.

Was hilft bei Demenz #16: Hole Möbel mit Erinnerungen

Höhenverstellbare Betten & Co helfen, keine Frage. Rücken ist das Leiden vieler Pflegender. Aber: Funktionalität ist nicht alles. Schöne Möbel, die dem dementen Gegenüber gefallen, können seine Stimmung heben. Beispiele: Möbel vom Speicher, die ihm etwas bedeutet haben, wieder ins Zimmer integrieren. Oder Vorhänge aus den 60er-Jahren. Oder einen alten Teppich aus dem letzten Jahrhundert.

Was hilft bei Demenz #17: Reagiere weise

Weihnachten. Elsa Danner (84) packt die Deko-Päckchen unter dem Weihnachtsbaum aus. „Lass die Päckchen liegen. Das ist doch nur Dekoration“, kann ich sagen. Elsa Danner ist danach vermutlich traurig oder zornig. Besser: „Weihnachtspäckchen – was ist denn das schönste Weihnachtsgeschenk für dich?“ Oder: „Gell, Weihnachten ist das schönste Fest im Jahr.“ Oder: „Wollen wir zusammen ein Adventslied singen?“

Was hilft bei Demenz #18: Sei wertschätzend

„Nichts gesagt ist genug gelobt.“ Diese schwäbische Weisheit ist besonders bei Menschen mit Demenz nicht angebracht. Bei Menschen, die dement sind, geht viel verloren. Da tut jedes Wort gut, das dem anderen zeigt, dass er wertvoll ist oder gerade etwas gut gemacht hat.

Was hilft bei Demenz #19: Löse kleine Probleme sofort

Herr Steiner hatte immer Angst, wenn jemand in sein Wohnzimmer kam. Grund war die laut quietschende Tür. Bereits ein Tropfen Öl linderte das Problem. Er war entspannter, wenn die Schwester vom ambulanten Pflegedienst kam. Also: Kleine Probleme anpacken kann manchmal eine große Wirkung haben.

Was hilft bei Demenz #20: Bleibe respektvoll

Alte Menschen haben ein langes Leben hinter sich. Ich habe schon erlebt, dass Betreuende dennoch mit ihnen geredet haben wie mit einem kleinen Kind. So kann der Respekt verloren gehen. Ich sage nicht, dass man steif und distanziert sein soll. Aber man kann bewusst darüber nachdenken, wie man jemanden anredet – und immer mit der Achtung, die jeder Mensch verdient.

Was hilft bei Demenz #21: Gib kleine Aufgaben

Natürlich kann es eine Hilfe sein, meinem dementen Gegenüber komplexe Aufgaben abzunehmen. Aber ich sollte nicht alles übernehmen. Besser ist, Aufgaben so zu vereinfachen, dass der Mensch, mit dem ich zu tun habe, dies ohne Überforderung schafft. Beispiel: Ich räume den Wäschetrockner aus. Die alte Dame braucht sich nur an den Tisch setzen. Und kann die Wäsche zusammenlegen, die ich ihr gebe.

Was hilft bei Demenz nicht? Wenn man alles selber macht. Besser ist, die Betroffenen in Tätigkeiten wie hier Wäsche zusammen legen, einzubeziehen.
W wie Wäsche.

Was hilft bei Demenz #22: Plane und gib Freiraum

Manche sagen: Rhythmus hilft. Gib dem Tag Struktur. Das gibt Orientierung.
Andere sagen: Ein zu enger Takt strengt an. Viele Termine machen müde.
Wie wärs mit dem Mittelweg? Mache beides. Plane einige Dinge. Aber lassen zwischendurch auch Freiraum.

Was hilft bei Demenz #23: Sehe über Fehler hinweg

Es geht nicht darum, einen Streit oder eine Argumentation zu gewinnen. Und am Schluss recht zu haben. Es geht darum, einen Menschen zu gewinnen. Und diesem zu helfen, sich wohl zu fühlen.
Statt diskutieren also die Wahrnehmung des dementen Menschen stehen lassen. Den anderen wertschätzen statt seine Äußerungen abzuwägen und zu bewerten. Und: Nicht zurechtweisen – klüger ist oft, über Fehler hinwegzusehen.

Was hilft bei Demenz #24: Rede tief und deutlich

Manche tun so, wie wenn alte Leute grundsätzlich schwerhörig wären. Sie reden mit lauter Stimme. Dabei wird die Stimme manchmal schrill. Besser ist: Deutlich und langsam reden. Versuchen, eher mit tiefer als mit hoher Stimme zu sprechen.

Was hilft bei Demenz #25: Wiederhole dezent

Klar: Es ist richtig, zu wiederholen. Aber wiederhole auf eine gute Art. Ich kann Dinge wieder und wieder wiederholen. Und dem anderen dabei das Gefühl geben, dass er dumm ist.
Besser ist: Ich kann auch dezent, wertschätzend und einfühlsam wiederholen. Mit anderen Worten, freundlich, unaufdringlich.

Was hilft bei Demenz #26: Nimm dir Zeit

„Ich habe keine Zeit.“ Das habe ich auch schon gesagt. Dabei hat jeder 24 Stunden am Tag. Mein Problem ist aber oft, dass ich zu viel hinein stopfen will in meine Zeit. Wenn ich Menschen mit Demenz besuche, brauchen sie Zeit. „Zeit lassen“ ist auch der erste Tipp, den das Bundesministerium für Gesundheit Angehörigen gibt. Bin ich in Gedanken aber schon beim nächsten, werde ich mein Gegenüber nicht wahrnehmen können, wie es ihm gut tut…

Was hilft bei Demenz #27: Mache eines nach dem anderen

Manchmal bin ich zu schnell. Ich lese zu schnell vor. Und anstatt eine Pause zu machen, mache ich gleich noch einen Programmpunkt. Damit habe ich schon Menschen mit Demenz überfahren. Ich lerne, Schritt für Schritt vorzugehen. Also: Eine Sache bewusst tun. Dann erst die Nächste. Also besser mit dem Bummelzug als mit dem ICE reisen.

Was hilft bei Demenz #28: Lacht gemeinsam

Menschen mit Demenz verwechseln manchmal Namen, Tageszeiten oder Worte. Aber ich will nicht über die Menschen lachen. Die Kunst ist: Gemeinsam zu lachen. Mit dem Menschen mit Demenz. Über Dinge, die er selbst lustig findet.

Was hilft bei Demenz #29: Lass dich auf Omas Welt ein

Frau Hansen (82) lebt in einer ganz anderen Wirklichkeit. Gefühlt in den 70er-Jahren. Sie muss für ihre kleinen Kinder kochen. Und zur Arbeit in die Fabrik. Wenn ich Frau Hansen in meine Realität zurück zerre, helfe ich ihr nicht. Besser ist, mich auf ihre Welt einzulassen – und sie innerhalb ihrer Welt wertzuschätzen. Das empfiehlt auch Psychenet.

So helfen Schilder eher nicht…
(Gesehen in einem Freizeitpark)

Was hilft bei Demenz #30: Bastle Hinweisschilder

„Oma wird den Weg schon finden“, denkt man sich vielleicht. Das kann klappen, muss aber nicht. Hinweisschilder können helfen. Beispiele: „WC“, „Küche“ oder „Garten“. Bilder oder Symbole auf den Schildern können die Orientierung erleichtern. Aber: Weniger ist oftmals mehr. Zu viele Symbole auf einem Schild verwirren eher. Und auch zu viele Schilder können anstrengend sein.

Was hilft bei Demenz #31: Nimm den Menschen ernst

„Ach, meine arme Frau.“ Ich habe schon gehört, dass jemand diesen Satz gesagt hat. Über einen Menschen mit Demenz. Während er dabei war. Und zwar vor laufender Kamera. In einer Fernseh-Dokumentation über Demenz. Ich würde mir wünschen, dass meine Angehörigen nicht so über mich sprechen, wenn ich dement bin. Und damit das Elend erst herbeireden…

Was hilft bei Demenz #32: Erinnere diskret an Namen

Für Menschen mit Demenz kann es peinlich sein, wenn sie sich nicht an Namen erinnern können. Wenn ich einen dementen Menschen begleite, kann ich immer wieder meinen Namen dezent ins Gespräch einstreuen. Und auch den Namen von den Menschen, denen wir begegnen.

Was hilft bei Demenz #33: Sei auf Augenhöhe

Oft stehe ich. Mein dementes Gegenüber sitzt in der Zeit auf dem Stuhl oder Rollstuhl. Folglich rede ich von oben herab mit dem anderen Menschen. Was kann ich tun? Ich setze oder knie mich hin. Dann befinde ich mich auf Augenhöhe. Und gleich wird das Gespräch leichter.

Was hilft bei Demenz #34: Massiere doch mal

Demenz ist nicht ansteckend. Daher brauche ich keinen Abstand zu halten. Besser, ich gehe so nah an mein Gegenüber heran, wie ihm das gefällt. Viele mögen sogar, wenn sie massiert werden. Im Pflegeheim massiere ich zwischendurch den Nacken der Bewohner (aber nur bei Männern – die Bewohnerinnen überlasse ich meinen Kolleginnen). Wenn das jemand sehr liebt, können sie es auch zelebrieren – mit duftendem Massageöl.

Was hilft bei Demenz #35: Beziehe andere ein

Jemand brüllt etwas im Zorn. Und ich antworte. In der gleichen Tonlage. Das ist nicht gut, vor allem nicht bei Menschen mit Demenz. Ärger schaukelt sich hoch. Am Schluss sind alle traurig. Und wissen gar nicht mehr, warum. Besser ist, den Ärger nicht hoch schaukeln zu lassen. Zum Beispiel, indem ich einen Schritt zurücktrete. Und es einer anderen Person überlasse, entspannt von außen hinzuzutreten und zu beruhigen.

Was hilft bei Demenz #36: Diskutiere nicht

Müssen Konflikte immer ausgetragen werden? Da habe ich bei Menschen mit Demenz schon schlechte Erfahrungen gemacht. Daher würde ich nicht mehr unbedingt in Diskussionen einsteigen. Besser ist: dem anderen (zumindest auf Gefühlsebene) recht geben, ablenken – und die Schnittmenge suchen.

Was hilft bei Demenz #37: Wertschätze Kreativität

Das Bett ist nass. Frau Martin sagt: „Nein, ich habe nicht ins Bett gemacht. Es hat rein geregnet.“ Darüber sollte man nicht lachen. Es auch nicht als Ausrede schelten. Nein, es ist eine Art, das Unerklärliche zu erklären. Da Frau Martin überzeugt ist, dass sie nicht eingenässt hat, hat es eben rein geregnet. So eine logische Erklärung verdient, dass ich sie respektiere – und nicht darüber lache.

Was hilft bei Demenz #38: Fördere Zuversicht

Oma träumt von einem Urlaub. Auch während einer Demenz kann man noch voller Hoffnung sein. Sag nicht: „Oma, rede keinen Quatsch. Das wird doch nichts mehr.“ Menschen mit Demenz will ich die Perspektive lassen, die sie noch haben. Es unterstützen, dass sie von einer hoffnungsvollen Zukunft träumen. Denn Träume machen Unmögliches erst möglich…

Fragezeichen steht für Grübeln. Ein Verbildlichung der Frage: Was hilft bei Demenz?
G wie Grübeln.

Was hilft bei Demenz #39: Grüble nicht

Nachdenken bringt viel. Grübeln nicht. Wer sich immer um sein eigenes Schicksal dreht, kommt nicht weiter. Manchmal ist es besser, etwas zu tun. Und dabei Freude zu erleben. Hier habe ich zum Beispiel 50 erprobte Beschäftigungsideen zusammengetragen, die bei Männern super ankommen: Beschäftigung für demenzkranke Männer.

Was hilft bei Demenz #40: Drücke Regeln nicht durch

Stuhlkreis im Pflegeheim. Doch Frau Gruber steht auf – und legt sich ins Bett. Sie hat eine andere Entscheidung getroffen, als ich mir gewünscht hätte. Sie hat sich gegen mein Aktivierungsangebot entschieden. Doch hier will ich der Versuchung widerstehen, sie in mein Schema zu pressen. Und sie ziehen lassen. Die Normen, die ich für richtig halte, müssen für Frau Gruber nicht gelten.

Was hilft bei Demenz #41: Wisse, dass er noch was mitbekommt

„Der kriegt ja nichts mehr mit“, sagen andere über einen Mann mit Demenz. Doch ich habe oft erlebt: „Mein Gegenüber bekommt mehr mit als ich denke.“ Zum Beispiel wenn ich eine Kurzgeschichte für Demenzkranke vorlese. Daher: Ich will nicht über demente Menschen sprechen, wie wenn sie gar nicht da wären. Sondern: Ich will sie ernst nehmen. Als vollwertige Menschen.

Was hilft bei Demenz #42: Pack die Uhr weg

Ich arbeite in einem Pflegeheim mit 70 Bewohnern. Wenn ich meine Arbeitszeit auf Menschen umrechne, sind das an jedem Arbeitstag nur wenige Minuten pro Bewohner. Früher habe ich mit „fordernden“ Bewohnern oder Angehörigen diskutiert. Doch: Dadurch habe ich am Schluss noch weniger Zeit. Und ich stoße nur Menschen vor den Kopf. Inzwischen versuche ich, im Jetzt zu leben – und dem Zeit zu schenken, der sie jetzt gerade braucht. Ohne (allzusehr) auf die Uhr zu schauen.

Was hilft bei Demenz nicht? Wenn man keine Zeit hat. Hier eine Uhr.
Z wie Zeit.

Was hilft bei Demenz #43: Lerne dazu

„Ich muss nichts über Demenz lernen. Ich kann doch auf mein Gegenüber eingehen. Empathie ist wichtiger als Wissen. “ Ich kenne Menschen mit dieser Haltung. Richtig ist: Einfühlungsvermögen ist wichtig. Aber: Wer dazu lernt, kann Betroffene noch besser abholen. Eine Möglichkeit dafür:

Oma ist dement, aber nicht doof!
Bestelle meine Mails kostenlos hier.

Was hilft bei Demenz #44: Rück dein Gegenüber ins Zentrum

So wie du betreut werden möchtest, so betreust du auch andere. Stimmt das? Nicht ganz.
Ich trinke meinen Kaffee morgens immer nach dem Zähneputzen. Frau Prinz findet das aber eklig. „Der Kaffee schmeckt ja dann nach Zahncreme“, sagt sie. Also: Es geht nicht darum, was mir schmeckt. Sondern um die Vorlieben meines Gegenübers.

Was hilft bei Demenz #45: Rede einfach

Einfache Sätze sind besser als komplzierte. Die Alzheimer Gesellschaft Bayern empfiehlt, einfache und kurze Sätze zu verwenden. Beispiel: „Das Essen ist fertig.“

Was hilft bei Demenz #46: Setze die richtige Beschäftigungsidee ein

Sophias Leben bestand aus Feldarbeit, Kuhstall und Gartenarbeit. Nun lebte sie im Pflegeheim. Und sollte mit anderen Senioren einen Ball auf einem Schwungtuch hin und her bewegen. Wer Sophia von früher kennt, denkt: „Das passt nicht zu ihr…“ Suche also Aktivierungen, die zu deinem Gegenüber passen. Bei Sophia wäre vielleicht passender gewesen:

  • Ein Spaziergang in der Natur
  • Fachsimpeln darüber, was ein Bauer im Jahresverlauf jetzt gerade machen muss
  • Im Garten eine Pflanze einbuddeln.

Weitere Ideen findest du in meinem Artikel „Beschäftigung für Demenzkranke: Mit diesen 158 Ideen können kannst du die Situation sofort verändern.“

Was hilft bei Demenz #47: Eine genaue Diagnose

Sarah Straub berichtet in ihrem wundervollen Buch „Lebensmut trotz(t) Demenz“ von einer pflegenden Tochter. Diese wurde entspannter, als sie nach vielen Jahren endlich die Diagnose des Vaters wusste. Sie konnte ihm sogar öfter sagen, dass sie ihn liebt. Und kurz vor seinem Tod sagte der Vater „Ich dich auch“. Sicher, eine genaue Diagnose kannst du nicht sofort umsetzen. Aber du kannst dir die Adresse der nächstgelgenen Gedächtnissprechstunde notieren und neben das Telefon legen. Das ist dann der erste Schritt. Der Anruf der zweite.

Was hilft bei Demenz #48: Machs Handy aus und die Augen auf

Blickkontakt tut jeder Beziehung gut. Da lenkt es ab, wenn ich immer wieder aufs Handy schaue. Ich habe mir die Faustregel aufgestellt, dass ich mein Smartphone pro 24 Stunden mindestens 12 Stunden ausschalte. Das heißt: Während ich schlafe. Plus tagsüber nochmal ein paar Stunden. Das hilft mir, aufmerksamer zu sein. Und der Umwelt tue ich damit auch etwas Gutes.

Was hilft bei Demenz #49: Validiere

Mein dementes Gegenüber sagt Dinge wie:

  • Ich will nach hause (obwohl er zuhause ist).
  • Du hast meinen Mantel geklaut (aber das ist nicht wahr).
  • Es ist November und mir ist kalt (jedoch: Es ist 33 Grad heiß und es ist August).

Soll ich die Realität logisch erklären. Nein, damit verwirre ich nur. Besser ist, auf mein Gegenüber einzugehen – ohne zu lügen. Wie das geht zeige ich dir in meinem Beitrag „Validation Übungsbeispiele bei Demenz: 16 Situationen auf 48 Arten genial meistern“.

Was hilft bei Demenz #50: Fördere Spiritualität

Für Senioren gehören Gott und Rituale häufig dazu. Den Glauben auszuleben kann eine große Sehnsucht sein. Einige Beispiele, die helfen können: Den Gottesdienstbesuch ermöglichen, einen Pfarrer zum Hausbesuch einladen, aus der Bibel vorlesen, ein Tischgebet vor dem Essen sprechen, ein gemeinsames Abendgebet vor dem Einschlafen…

Was hilft bei Demenz? Glaube und Religion des Betroffenen ernst nehmen, hier als Symbolbild das Kreuz.
G wie Glaube an Gott.

Was hilft bei Demenz #51: Gib weniger Möglichkeiten

Je mehr Entscheidungsmöglichkeiten man jemandem anbietet, umso schwerer fällt es ihm, sich zu entscheiden. Das ist schon beim Gesunden so. Bei Menschen mit Demenz sollte man noch weiter vereinfachen. Nicht so gut: „Ich habe Salami, Lyoner, Weichkäse, Käsescheiben, Honig, Erdbeer- und Aprikosenmarmelade. Was willst du?“ Besser: „Willst du Marmelade oder Käse aufs Brot?“

Was hilft bei Demenz #52: Bleib ehrlich

Soll man Menschen mit Demenz anlügen, wenn es der Situation dient? Nein, ich will ehrlich sein – dabei aber authentisch bleiben. Willst du darüber mehr wissen? Dann melde dich hier an:
Oma kann mehr, als du denkst.
Trotz Demenz.
Bestelle meine Mails kostenlos hier.

„Was hilft bei Demenz?“
So lautet die Frage, die ich in diesem Artikel aufgegriffen habe.
Ich habe sie mit 52 Tipps beantwortet.
Natürlich kann man diese Frage auch wissenschaftlich angehen.
Dann müsste man auf die Frage
„Was hilft bei Demenz?“ antworten:
– Hier sind medizinische und pharmazeutische Aspekte.
– Man kann auch technische Hilfsmittel einsetzen.
– Und soziale Unterstützung suchen.
Mir ging es in diesem Beitrag aber mehr um diese persönliche Frage:
Welche Tipps helfen?
Und mit 52 Tipps kann man ein ganzes Jahr lang jede Woche eine Sache umsetzen…

Möge diese Anleitung dir und mir dabei helfen, besser zu werden.
Lass uns Omas Augen zum Leuchten bringen.

Dein Uli

Das wird dir auch weiterhelfen

Validation nach Naomi Feil: 31 Demenz-Tipps nach Feil [direkt umsetzbar].
Sprüche über das Alter: 500+ Zitate („Der 2. Frühling kommt mit den 3. Zähnen.“)
Wie wird man alt? Das sagen die 100-Jährigen selbst! [100+ Zitate]
Geschichten: Wie eine 90-Jährige 60 Jahre jünger wurde.
Meine Bücher: 500+ Geschichten & Ideen für Menschen mit und ohne Demenz.
Humor und Demenz: Diese 20 Episoden zeigen, wie charmant man mit Demenz umgehen kann.
Vortrag über Demenz: Diese Aspekte von A-Z geben dir Sicherheit.
Demenz Weihnachten: Oma hat Demenz: Weihnachten im Pflegeheim oder zuhause?
Leben mit Demenz: 41 Erkenntnisse aus 100+ Zeitungsartikeln über Alzheimer & Co.

Uli Zeller liest eine Kurzgeschichte für Demenzkranke vor.
Über den Autor: Uli Zeller

(Der "BestZeller")

  • meine Bücher, mein Blog und meine E-Mails sollen Menschen mit Demenz und Angehörigen helfen, besser mit ihrer Situation umzugehen.
  • Papa von 2 tollen Mädels und verheiratet mit einer genialen Frau.
  • arbeitet seit 2008 im gleichen Pflegeheim.
  • ist Seelsorger, Autor und Krankenpfleger. 
  • schreibt auch als Reporter für den SÜDKURIER über Lokales.
  • hat 9 Hühner und 2 Gockel im Garten.

Diese Artikel sollen Sie weiterbringen:

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>
Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner